Die Geschichte von Saalhausen

Steil abfallende Höhenrücken und Bergkegel, schluchtartige Waldtäler und offene Wiesengründe mit klaren Gebirgsbächen prägen die zum Hochsauerland gehörende Mittelgebirgslandschaft um Saalhausen.

 400 m tief hat die obere Lenne sich hier in relativ leicht ausräumbare Tonschiefer eingeschnitten und mit ihren Nebengewässern eine Talweitung geschaffen, in der in einer breiten Flußaue - etwa 310 m über dem Meeresspiegel -- das Dorf Saalhausen liegt.

Acker- und Grünlandflächen, die sich hangaufwärts ziehen, umgeben ringsum die Siedlung, bis der Wald den landwirtschaftlich nicht mehr genutzten Boden beansprucht. Wald - überwiegend Fichtenforsten, aber auch größere Rotbuchenholzungen - bedeckt heute etwa neun Zehntel der knapp 16 qkm umfassenden Gemarkung.

Gegenwärtig zählt der Ort zusammen mit den Wohnplätzen Gleierbrück und Störmecke fast 2000 Einwohner, etwa doppelt soviel wie vor 50 Jahren und das Vierfache der Bevölkerungszahl von 1820. Damals, im 19. Jahrhundert, beschränkte sich die Besiedlung noch fast ganz auf den heutigen Ortskern, in dessen Mitte als dominierendes Bauwerk die 1909/10 aus heimischem Bruchstein errichtete Pfarrkirche steht. Mit seinen zahlreichen Fachwerkbauten im sauerländischen Baustil, alten Baumgruppen und gepflegten Grünanlagen besitzt dieser Dorfteil seinen eigenen, das Ortsbild Saalhausens maßgeblich bestimmenden Charakter. Erst in den letzten Jahrzehnten entstanden die Wohnsiedlungen des oberen Dorfbezirks und Gleierbrücks Wann sich die ersten bäuerlichen Siedler im Saalhauser Lennegrund niedergelassen haben, ist unbekannt.

Erst um 1300 - das genaue Jahr ist nicht überliefert - wird der Ort als Saalhausen in einem Güterverzeichnis des Grafen Ludwig von Arnsberg zum ersten Mal urkundlich erwähnt, doch reichen die Anfänge der Besiedlung des Talkessels zwischen Störmecke und Gleierbrück mit ziemlicher Sicherheit in die Zeit vor der Jahrtausendwende zurück. Damals erhielt die junge Siedlung auch ihren Namen, für den es keine sichere Deutung gibt. Der Bestandteil Saal- (Sale-) kann sprachlich mit dem altdeutschen Wort "sal" - Haus, Halle, Wohnung zusammenhängen oder auf einen männlichen Personennamen (z. B. Salu) zurückgehen; aber auch noch andere Erklärungen sind möglich.

Materielle Hinterlassenschaften aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit hat man bisher nicht entdeckt, doch reicht der "Kriegesweg", ein nach Anlage der modernen Landstraße aufgegebener Fernweg, der von Siegen ins mittlere und obere Hellweggebiet führte und bei Gleierbrück die Lenne überquerte, ins frühe Mittelalter zurück, wenn nicht gar in die vorchristliche Zeit. An ihm steht auf dem Sattel zwischen llberg (621 m) und Kirchberg (553 m) das "Steinerne Kreuz". Unweit des Kriegerweges sind auf dem Hohen Lehnberg Wälle und Gräben einer hochmittelalterlichen Burganlage erhalten geblieben. Von einem befestigten Adelssitz, der vor 1578 zuletzt wenigstens teilweise im Besitz der Familie von Ohle zu Frielentrop war, existierte noch bis 1820 ein Burghügel mit einem Graben. Er lag südlich der Lenne in der Nähe der heutigen Skiliftstation.

Bis zur Errichtung einer eigenen Seelsorgestelle in Saalhausen war der Ort kirchlich der Pfarrei Lenne zugeordnet. 1836 wurde er selbst zur Pfarrei erhoben. Verwaltungsmäßig gehörte Saalhausen in kurkölnischer Zeit, als die Kölner Kurfürsten und Erzbischöfe die Landesherren waren, zum Amt Bilstein. Unter Preußen (seit 1816) wurde in Anlehnung an die damaligen Kirchspielsgrenzen 1843/44 die politische Gemeinde Saalhausen gebildet. 1969 ging sie im Zuge der kommunalen Neugliederung mit anderen Gemeinden und Gemeindeteilen in der neu gebildeten Stadt Lennestadt auf.

Bis ins 19. Jahrhundert lebte die Bevölkerung im wesentlichen von der Land- und Waldwirtschaft. Schon früh schürfte man in der Ortsumgebung nach Erzen. 1688 wird eine Silberkuhle erwähnt. Eine Bleigrube soll das Kloster Grafschaft im Böddes betrieben haben. Besonders im vergangenen Jahrhundert grub man an vielen Stellen nach Schwerspat, Blei-, Kupfer-, Zink- und Eisenerz, vor allem im Gleiegebiet und im Böddes, wo "An den Buchen" eine Bleihütte stand. Bereits im 16. Jahrhundert war in Gleierbrück ein Hammerwerk in Betrieb; wahrscheinlich um 1800 wurde oberhalb von Saalhausen der Störmecker Hammer errichtet. Die einstige Bedeutung des Eisengewerbes geht auch aus einem Steuerregister von 1664 hervor, das in Saalhausen 6 Schmiedeherde nennt. Die Erzverhüttung und die Hammerindustrie förderten die Köhlerei und das Fuhrmannsgewerbe. Um 1810 gab es in Saalhausen 10 Köhler und 6 Frachtfuhrleute. Auch das Gerbereiwesen spielte zeitweilig eine nicht unerhebliche Rolle. Trotzdem lebten die meisten Bewohner in bescheidenen, wenn nicht ärmlichen Verhältnissen. 1765 bewog wirtschaftliche Not etwa ein Dutzend Familien zur Auswanderung ins Banat. Zu einem nachhaltigen sozialen und wirtschaftlichen Wandel und zu einer allmählichen Besserung der Lebensverhältnisse kam es erst nach dem Bau der Lennetalstraße 1847 und dem Bau der Eisenbahnnebenstrecke Altenhundem-Schmallenberg 1884-86, als sich im Verlauf einer fortschreitenden Industrialisierung das Arbeitsplatzangebot wesentlich verbesserte. Heute arbeitet ein Großteil der Bevölkerung in mehreren Industriebetrieben einheimisch , mittelständischer Unternehmen, die sich im Gewerbegebiet um den ehemaligen Bahnhof angesiedelt haben.

Die Einrichtungen des Fremdenverkehrsgewerbes, das sich in den letzten Jahrzehnten stark entwickelt hat, sind im wesentlichen im älteren Dorfteil und auf dem Ohl konzentriert. Inzwischen besitzt Saalhausen u. a. ein Haus des Gastes, ein Naturerlebnisbad, Tennisplätze, eine Minigolfanlage, einen Skilift, und einen Kurpark mit Wassertretbecken und Barfußpfad. 1973 erhielt das Dorf als erster Ort im Kreis Olpe die staatliche Anerkennung als Luftkurort. Anvisiert ist eine Anerkennung als heilklimatischer Kurort. Am Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" hat sich Saalhausen seit vielen Jahren beteiligt und dabei wiederholt Preise und Medaillen erhalten.

Das Ehrenmal: Das Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege auf dem Kirchplatz wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu gestaltet. Das Christusbild ("Kreuztragender Heiland") im Mittelpunkt der Gedenkstätte stand früher in einem; Sakramentshäuschen hinter der Kirche. Es stammt aus dem Dom zu Münster und gelangte im vorigen Jahrhundert nach Saalhausen.